Der Geograph

Aus WikiNect
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Gelehrter im Hausmantel bei der Arbeit: Kartenmaterial, der Globus auf dem Schrank und der Stechzirkel in seiner Hand weisen ihn als Geographen aus. Im Raum verteilte Fachliteratur unterstreicht das theoretische Fundament; der Mann stützt sich im Wortsinn auf ein Buch. Doch unterbricht er seine durch und durch rationale, quantifizierende Aktivität und hält einen Moment lang inne, um auf das wirkliche Leben vor dem Fenster zu blicken. Damit wird die Szene letztlich zur Chiffre für Vermeers eigenes Schaffen, das sich aus beiden Quellen nährt, der perspektivischen Konstruktion einer Raumecke ebenso wie der eindringlichen Charakteristik der Erscheinung alltäglicher Gegenstände in Licht und Raum. Erstere basiert auf exakter Wissenschaft, letztere bleibt Domäne der Kunst und ist der eigentliche Ruhmestitel von Vermeers Malerei. Erweitert wird die Aussage durch ein Pendant (Paris, Louvre), das einen – vielleicht denselben – Gelehrten als Astronomen darstellt. Der Sternkundler braucht den Blick aus dem Fenster nicht, sondern konzentriert sich ganz auf einen Himmelsglobus und auf das vor ihm liegende Lehrbuch. Dementsprechend ziert dort keine schlichte Seekarte, sondern ein gedankenschweres Historienbild die Rückwand.

Der Geograph

J. VERMEER - El geógrafo (Museo Städel, Fráncfort del Meno, 1669).jpg

Künstler: Jan Vermeer van Delft
Jahr: 1669
Typ: Öl auf Leinwand, doubliert
Museum: Städel Museum
Stadt: Frankfurt am Main
beispiel attribute:



Inhaltsverzeichnis

Untersegmente

Links

Tags

Ratings